Wie ein Tiefschlag Schmeling zur Unsterblichkeit verhalf

Wie ein Tiefschlag Schmeling zur Unsterblichkeit verhalf

12. Juni 2020 Spordbild 0

Für Max Schmeling war es alles andere als ein triumphaler Moment.

Als der “Schwarze Ulan vom Rhein” am 12. Juni 1930 im New Yorker Yankee Stadium Weltmeister im Schwergewicht wurde, half das Glück kräftig mit. Der 29-jährige Deutsche lag punktemäßig schon weit hinten, da streckte ihn sein Gegner Jack Sharkey mit einem Tiefschlag zu Boden und wurde deshalb in der vierten Runde disqualifiziert.

Schmeling wurde zum Weltmeister ernannt, musste aber dafür auch reichlich Spott aushalten. Friedensnobelpreisträger und Journalist Carl von Ossietzky beschrieb seinen Auftritt später in der Weltbühne als wenig weltmeisterlich.

Schmeling verteidigte Titel

“Es ist da die merkwürdige Unstimmigkeit, dass der Besiegte auf seinen eigenen Beinen fortging, während der Sieger, dem es auch in den vier Runden nicht gut gegangen war, halb ohnmächtig auf der Bahre abgeschleppt werden musste”, meinte von Ossietzky.

Einmal durfte Schmeling seinen Titel erfolgreich verteidigen. Gegen den US-Amerikaner Young Stribling siegte er im Juli 1931 in Cleveland durch technischen K.O. in der 15. Runde.

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Knapp ein Jahr später kam es in New York zum Rückkampf gegen Sharkey, und wieder endete das Duell mit einem Skandalurteil. Diesmal war Schmeling über 15 Runden der bessere Boxer, doch Sharkey wurde zum Sieger nach Punkten bestimmt. Schmeling verlor seinen Titel.

Immerhin erhielt der gelernte Kaufmann für den zweiten Kampf gegen Sharkey stolze 700.000 US-Dollar. Der in Klein-Luckow in der Uckermark geborene Schmeling war in Amerika ziemlich bekannt, hatte ab 1927 dort sein sportliches Zuhause gefunden.

NS-Propaganda schlachtete Schmelings Triumph aus

“Er hat den deutschen Meisterschaftstitel aufgegeben, um seine verletzte Hand für die amerikanischen Dollars zu pflegen”, schrieb Erich Kästner. 

Schmelings legendärer Ruf in Deutschland resultiert aber nicht in erster Linie aus den Kämpfen gegen Sharkey. Vielmehr machte sein Sensationserfolg im WM-Ausscheidungskampf am 19. Juni 1936 gegen den unschlagbar scheinenden Joe Louis, ebenfalls im Yankee Stadium, den Star zur Ikone.

Schmelings Triumph wurde von der NS-Propaganda via Volksempfänger ausgeschlachtet. “Es war ein deutscher Sieg”, ließ Joseph Goebbels ausrichten, und der Berliner Lokalanzeiger titelte: “Der Führer beglückwünscht Schmeling”.

Zweier Kampf dauerte knapp zwei Minuten

Der zweite Kampf zwischen Schmeling, heute Mitglied der “Hall of Fame des deutschen Sports”, und Louis, in dem es im Juni 1938 um die WM ging, dauerte nur wenig mehr als zwei Minuten. Schmeling hatte keine Chance, Louis war mittlerweile zu einem gereiften Weltklasseathleten geworden. Niemand hätte an diesem Tag gegen seinen Vater gewonnen, erzählte Schmeling später Louis’ Sohn. 

Nach seiner Rückkehr aus den USA machte Schmeling noch einen Kampf, den er 1948 gegen den Hamburger Richard Voft nach Punkten verlor.

Mit seiner Frau, der deutsch-tschechischen Filmschauspielerin Anny Ondra, ließ er sich in Wenzendorf bei Hamburg nieder. Dort starb er 2005 im Alter von 99 Jahren. Im benachbarten Hollenstedt fand Deutschlands legendärer Schwergewichts-Champion seine letzte Ruhestätte.

https://www.sport1.de/kampfsport/boxen/2020/06/vor-90-jahren-max-schmeling-wird-schwergewichts-weltmeister-im-boxen

 

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