Die Gründe für Schalkes bittere Misere

Die Gründe für Schalkes bittere Misere

6. Juni 2020 Spordbild 0

Was ist da bloß los auf Schalke?

Erst der Aufschrei nach den Ausgliederungsplänen von Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies, nun auch noch das Aus des langjährigen Finanzvorstands Peter Peters nach 27 Jahren im Klub.

Keine Frage, es herrscht Unruhe rund um die Entscheider eines der populärsten Klubs Deutschlands. 

Dabei gibt der sportliche Teil eigentlich schon genug Grund zur Sorge. Denn die Leistungen der Königsblauen in den Geisterspielen waren bislang tatsächlich zum Gruseln. 

Nach einer starken Hinrunde, in der die Königsblauen 30 Punkte sammelten, steckt der Klub mittlerweile in einer tiefen Krise. Nach dem Re-Start setzte es vier Niederlagen. Ein 0:4 im Revierderby und drei Pleiten gegen die abstiegsbedrohten Teams aus Augsburg (0:3), Düsseldorf (1:2) und Bremen (0:1). 

Insgesamt ist Schalke nun seit elf Bundesligaspielen ohne Sieg. Trainer David Wagner wirkte in den Pressekonferenzen nach den jüngsten Pleiten fast ein wenig ratlos. 

“Wir müssen uns der Situation bewusst sein und aufhören, das Opfer der Bundesliga zu sein”, mahnte Sportchef Jochen Schneider in der SportBild.

Es stellt sich die Frage: Was sind die Gründe für die Schalker Misere?

Wagner genießt Rückendeckung

“Wir werden gemeinsam mit David Wagner zur neuen Saison diesen roten Faden wieder aufnehmen und damit weitermachen, wo wir im Januar, Februar unterbrochen wurden. Er ist gefestigt und angriffslustig”, sagte Schneider. Der Trainer soll nicht zur Debatte stehen. 

Allerdings muss S04 noch in dieser Spielzeit Lösungen finden, wenn der Verein im nächsten Jahr international spielen will. Das Europa-Thema ist aktuell aber auf Schalke zu den Akten gelegt.

Bei einer Umfrage von SPORT1 gaben 57 Prozent der User an, dass die Mannschaft die Schuld an dem Absturz trägt. 26 Prozent gaben die sportliche Führung als Schuldigen an und nur 17 Prozent den Trainer. 

“Die Spieler müssen wissen, dass der Verein zu dem Trainer steht. Jetzt sind die Spieler gefragt, den Karren aus dem Dreck zu ziehen”, gab der ehemalige Bundesligatrainer Markus Babbel den Usern im CHECK24 Doppelpass recht. 

Doch welche Spieler sind besonders für die Krise verantwortlich und wer kann die Wende bringen?

Schalke mit historischer Torflaute

Offensichtlich sind die Probleme im Angriff. In der Rückrunde herrscht bei den Königsblauen Torflaute, ganze fünf Treffer gelangen den Schalkern in den bisherigen 12 Rückrundenspielen. In den 17 Hinrundenspielen hatte das Team von Wagner noch 29 Mal eingenetzt. 

Die Misere nimmt bereits historische Ausmaße an: In der Bundesliga-Historie trafen nur der SC Paderborn 2014/15 und Tasmania Berlin 1965/66 seltener an den ersten 12 Rückrunden-Spieltagen (je vier Mal). Zwölf torlose Spiele bis zum 29. Spieltag überboten die Knappen zudem nur 1965/66 (15) und 1992/93 (13).

Zu einem Großteil ist die verheerende Statistik direkt an den Angreifern festzumachen. Benito Raman erlebt derzeit seine längste Flaute in der Bundesliga, der Belgier hat seit zwölf Spielen nicht mehr ins Schwarze getroffen.

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Winter-Neuzugang Michael Gregoritsch erzielte sein einziges Tor für die Königsblauen bei seinem Debüt gegen Borussia Mönchengladbach. Die Partie zum Rückrundenauftakt ist gleichzeitig der letzte Sieg der Schalker. Guido Burgstaller erzielte seinen letzten Bundesligatreffer im Mai 2019, vor über einem Jahr. 

Das einzige Stürmertor seit dem Erfolg gegen Gladbach geht auf das Konto von Ahmed Kutucu, der in dieser Saison alle seine 20 bestrittenen Partien als Joker absolvierte. 

Der 20-Jährige ist ein Lichtblick in der Stürmer-Misere. Der frühere Schalke-Profi Mike Hanke warf daher im CHECK24 Doppelpass die Frage auf, die sich auch viele Schalke-Fans stellen dürften: “Vorne schießt keiner Tore. Suat Serdar ist der Beste, dann kommt schon Ahmed Kutucu. Da ist die Frage, warum darf er nicht mal drei, vier Spiele von Anfang an spielen. Er hat Schalker Herz und Blut.”

Torwartposition die größte Baustelle?

Der Sturm ist aber nicht die einzige Baustelle der Schalker. Vor allem die wichtige Position zwischen den Pfosten dürfte Wagner den Schlaf rauben. 

Nach einem langen Hin und Her hatte Wagner – auch wegen des bevorstehenden Bayern-Wechsels von Alexander Nübel – eigentlich Markus Schubert zur Nummer eins erkoren. Zuletzt stand gegen Werder Bremen aber wieder Nübel im Kasten. Fakt ist, dass beide Torhüter derzeit zur allgemeinen Unsicherheit des Teams beitragen.

In der Hinrunde waren beide Keeper noch ein Grund für den Erfolg, da die Schalker nur 21 Tore kassierten, obwohl sie 2,2 gegnerische Großchancen pro Spiel zuließen. In der Rückrunde ließen die Knappen zwar nur noch 1,9 Großchancen zu, trotzdem setzte es bereits 25 Gegentreffer.

Interessant ist, dass auch die Schüsse auf das Schalker Gehäuse in der Rückrunde zurückgingen, beide Keeper aber eine schlechtere Abwehrquote vorweisen.

Schubert wehrte in seinen drei Hinrundenspielen 83 Prozent der Schüsse ab, Nübel in 15 Partien deren 73 Prozent. In der Rückrunde kommt Schubert in sechs Spielen nur noch auf 59 Prozent, Nübel in ebenfalls sechs auf 62 Prozent. 

Mit jeweils vier Patzern vor Gegentoren belegen beide Torhüter Platz eins der Statistik aller Bundesliga-Keeper in der Saison 2019/20.

Babbel: “Erwarte, dass das gelebt wird”

Auch im Mittelfeld werden Gründe für den Schalker Absturz deutlich. 

Schon in der Hinrunde war Wagners Mannschaft mit 50 Prozent Ballbesitz und einer Passquote von 77 Prozent keine klassische Ballbesitz-Mannschaft. In der Rückrunde brachen diese Werte aber noch einmal dramatisch ein. 

Beim Drittletzten Düsseldorf kam Schalke zuletzt nur auf eine Passgenauigkeit von 63% – Minuswert in dieser Saison. Die 33% Ballbesitz bei dem Abstiegskandidaten sprechen eine noch klarere Sprache. 

Omar Mascarell, der bereits die letzten sechs Spiele verletzungsbedingt verpasst hatte, fehlt an allen Ecken und Enden und wird in dieser Saison nach einem Rückschlag im Rehatraining überhaupt nicht mehr zum Einsatz kommen.

Der derzeit ohnehin angeschlagene Amine Harit, der in der Hinrunde regelrecht aufgetrumpft hatte, fällt durch einen deutlichen Leistungsabfall auf. Suat Serdar, ebenfalls ein Lichtblick, fehlt bis zum Saisonende verletzt.

Hinzu kommt, dass Schalke in der Rückrunde im Schnitt die wenigsten Kilometer aller Teams zurücklegte (112,7), das sind über drei Kilometer weniger als in der Hinrunde (116,1). “Schalke hat einen Anspruch, eine der besten Mannschaften der Liga zu sein. Dann erwarte ich auch, dass das gelebt wird”, kritisierte Babbel im CHECK24 Doppelpass.

David Wagner wird seine Mannschaft und vor allem Leistungsträger und auch die Torhüter wieder in die Spur bringen müssen, wenn die Wende gelingen soll. “Ich habe in der Hinrunde gesagt, dass er einen richtig guten Job macht, aber ob er ein richtig guter Trainer ist, zeigt sich erst jetzt in der Krise”, glaubt Hanke.

https://www.sport1.de/fussball/bundesliga/2020/06/fc-schalke-04-die-gruende-fuer-die-misere-mit-wagner-nuebel-und-schubert

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