Deutsches Golf-Märchen: Aus dem Nichts in den siebten Himmel

Deutsches Golf-Märchen: Aus dem Nichts in den siebten Himmel

24. August 2020 Spordbild 0

Als der letzte Ball ins Loch rollte, füllten sich die Augen von Sophia Popov bereits mit Tränen.

Die 27-Jährige aus Weingarten hatte soeben sensationell die British Open im schottischen Troon gewonnen, was seit 1930 bei insgesamt 290 Major-Turnieren nie zuvor einer deutschen Spielerin gelungen war.

Geht man nach der Weltrangliste, hätte man diese Sensation eher Caroline Masson oder Sandra Gal zugetraut – aber nicht Popov, die als Nummer 304 der Welt an den Start gegangen war.

Popov hätte fast Karriere beendet

Denn Popov hatte eine enorm schwierige Zeit hinter sich, wie sie unter Tränen bei der Siegerehrung erzählte: “In den vergangenen sechs Jahren musste ich viele Probleme überwinden, vor allem was die Gesundheit angeht. Ich bin einfach nur froh, dass ich es geschafft habe.”

Immer wieder wurde sie in dieser Zeit von Verletzungen zurückgeworfen.

Weiter verriet die in der Nähe von Boston geborene Popov, dass sie im vergangenen Jahr “fast zu spielen aufgehört” hatte, ehe sie mit dem Pokal in der Hand erleichtert hinzufügte: “Gott sei Dank habe ich das nicht gemacht.”

Auch aus finanzieller Sicht hat sich das gelohnt. Mit ihrem sensationellen Triumph kassierte sie auf einen Schlag ein Preisgeld in Höhe von 670.000 Dollar (ca. 575.000 Euro).

Noch vor kurzer Zeit wäre das unvorstellbar gewesen, als Popov Ende 2019 die Startberechtigung für die LPGA-Tour verloren hatte. Bei Turnieren war sie war dabei, aber lediglich als Caddie, also Taschenträgerin, ihrer guter Freundin Anne van Dam – ein Major-Sieg schien in unendlicher Ferne.

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Popov qualifiziert sich kurzfristig

Erst Anfang August qualifizierte sich Popov mit einer Top-10-Platzierung bei einem Turnier in Ohio. Für das Major machte sie sich zunächst keinen Druck: “Die British Open sind ein Bonus, weil sie nie auf meinem Plan standen. Ich war glücklich, hier überhaupt spielen zu können.”

Dementsprechend trat sie anfangs auf und spielte sich mit einer bärenstarken dritten Runde, bei der sie trotz starken Windes nur 67 Schläge gebaucht hatte und als erste Spielerin des Turniers ohne Bogey geblieben war, überraschend in Führung.

Doch in diesem Moment wendete sich das Blatt, was ihren späteren Triumph umso beeindruckender macht. Popov hatte vor der Schlussrunde großen Druck auszuhalten – und spürte diesen auch. “Am letzten Tag heißt es nur: ich gegen Druck”, sagte sie vorab.

Freund hilft Popov als Caddie

Der Druck machte sich direkt zu Beginn der Runde bemerkbar, als Popov mit einem Bogey startete. Die Deutsche stabilisierte sich zwar schnell, doch die hinter ihr liegende Thailänderin Jasmine Suwannapura baute mit vier Birdies in Folge richtig Druck auf.

Der Vorsprung von Popov schmolz bis auf einen Schlag zusammen und viele erwarteten, dass die langjährige Leistungsgolferin des GC St. Leon-Rot dem Druck nicht standhalten würde. Doch Popov belehrte alle eines Besseren – auch, weil sie entscheidende Hilfe an ihrer Seite hatte.

“Ich war heute so nervös. Ich bin meinem Freund so dankbar, dass er mir geholfen hat, ruhig zu bleiben”, bedankte sich Popov bei ihrem Partner Max Melhes, der bei den British Open als Caddie für sie fungierte.

“Ich war immer eine Spielerin, die nicht gerne in Führung lag und lieber von ein paar Schlägen dahinter aufkam”, ergänzte Popov, der neben Melhes auch ihr gestiegenes Selbstbewusstsein nach zuletzt erfolgreichen Wochen half.

Dass Popov – die ihr bis dato bestes Major-Ergebnis mit dem 57. Platz in Carnoustie 2011 als Teenagerin eingefahren hatte – kurz vor den British Open auf einer Anlage in Arizona namens Troon(!) North Golf Club gewann, war ein weiteres gutes Omen.

Djokovic und Woods als Sports-Idole

Mit ihrem ersten Major-Sieg konnte Popov ihren großen Sport-Idolen Novak Djokovic und Tiger Woods endlich auch zumindest ein wenig nacheifern.

Nicht einmal der Tennis- und Golf-Superstar kamen bei ihren ersten Major-Triumphen allerdings so komplett aus dem Nichts wie Popov. Während Woods bei seinem ersten Major bereits die Nummer 13 der Welt war, gelang Djokovic dies als Weltranglistendritter bei den Australian Open 2008.

Dass Popov neben Djokovic und Woods im Sport vor allem auch den New England Patriots zujubelt, macht deutlich, wie wichtig ihr Erfolge sind. Nur der Zweitligist Karlsruher SC als weiteres Lieblingsteam passt aktuell nicht so wirklich in diese Erfolgs-Reihe.

Allein von den sportlichen Erfolgen hätten Popovs Fans daher sicher wenig dagegen, wenn sie eher Djokovic und Woods als dem KSC nacheifert.

https://www.sport1.de/golf/2020/08/golf-sophia-popov-gewinnt-british-open-deutsche-schreibt-major-geschichte

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