Der Trainer ist beim BVB nicht das Problem, im Gegenteil

Der Trainer ist beim BVB nicht das Problem, im Gegenteil

2. Juni 2020 Spordbild 0

Wissen sie bei Borussia Dortmund eigentlich, also wirklich und vollends, was sie an Lucien Favre haben? Ich bezweifle das ehrlich gesagt.

Ich glaube, es täte ihrem Trainer wahnsinnig gut und würde ihn sogar noch stärker machen, wovon dann auch alle wieder etwas hätten, wenn die Verantwortlichen ihn mal öffentlich loben würden, auch mal überschwänglich und euphorisch.

Klare Kante pro Favre statt so viel Wischiwaschi.

Dieses “Wir werden keine Trainerdiskussion führen” oder “Es gibt aktuell keinen Anlass für eine Trainerdiskussion”, zwei der Lieblingsformulierungen beim BVB zurzeit, heißt tatsächlich gar nichts. Keiner könnte dementieren, dass intern in diesen Wochen sehr wohl die Weichen gestellt und Entscheidungen für die Zukunft besprochen werden – auch die Trainerposition betreffend.

Favre von Klopp-Vergleichen genervt

Was Lucien Favre und sein Umfeld echt nervt, sind die ständigen Vergleiche mit Vor-Vor-Vor-Vorgänger Jürgen Klopp. Kein großes Interview, wo nicht wieder von den wunderbaren Jahren unter dem Trainer-Messias berichtet wird, “der Jürgen” ist allgegenwärtig beim BVB – obwohl er seit fünf Jahren weg ist. Und obwohl Favre einen besseren Punkteschnitt einfährt als Klopp, als alle anderen Trainer vor ihm in der Dortmunder Bundesliga-Geschichte.

Favre hätte noch nie etwas Großes gewonnen, er sei kein “Titel-Trainer”, ist immer wieder zu hören. Eines der liebsten Argumente gerade auch vieler BVB-Fans. In meinen Augen liegt das Problem auf der anderen Seite: Der BVB hat keine Titel-Mannschaft. Starke Truppe, mit einigen spannenden Typen – aber unter dem Strich doch einige Jahre von dem entfernt, was der FC Bayern an Qualität und Erfahrung auf den Platz stellt.

Denn: Sobald einer auf dem Weltklasse-Level ist, ist er in der Regel dann auch wieder weg. Gar kein Vorwurf, aber eben das Los von Zwischenschritt-Vereinen wie Borussia Dortmund. In den letzten Jahren zum Beispiel Pulisic, Aubameyang oder Gündogan. Davor Lewandowski. Und auch einen Dembélé wollten sie ja gerne behalten – im Nachhinein, wenn man die Entwicklung des Franzosen verfolgt hat, wohl gut, dass es nicht geklappt hat.

Ein Fußball-Lehrer wie Favre ist eine herausragende Besetzung

Der BVB muss immer wieder umbauen, eine Herkulesaufgabe, gerade auf dem hohen Niveau, wo ja schon Unentschieden zu wenig sind. Wo immer alles passen muss. Ein Fußball-Lehrer wie Favre, der sich dieser Aufgabe stellt, sie sogar liebt und mit einer fast pedantischen Arbeitsweise meistens löst, ist da eine herausragende Besetzung. Bei hoher Fluktuation im Kader ist Beständigkeit auf der Trainerposition umso wichtiger.

Eine gemeinsame Zukunft mit Favre wäre die richtige Entscheidung für Borussia Dortmund. Sie sind auf einem guten Weg. Der Trainer ist nicht das Problem, im Gegenteil. Ich glaube, sie würden ihm und den vielen erfolgreichen Spielen unter Favre schnell hinterherweinen.

So schwierig das zu akzeptieren ist, so wahr ist es wohl auch: Spielt der FC Bayern eine normalgute Saison, bleibt für Dortmund bestenfalls Platz zwei. Alles andere ist Kür – aber als Ziel zu hoch gegriffen.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche “Bundesliga-Kolumne”.

https://www.sport1.de/fussball/bundesliga/2020/06/bvb-ohne-lucien-favre-wuerden-ihm-hinterherweinen-holtkamp-kolumne

 

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